Feiertag der Flämischen Gemeinschaft : 11. Juli

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Feiertag der Flämischen Gemeinschaft : 11. Juli -  als Erinnerung an die Goldensporenschlacht (1302), als der Graf von Flandern zusammen mit den Milizen der Städte den französischen König in der Nähe von Courtrai besiegte.

Diese "Sporenschlacht" verkörperte den ersten spektakulären Erfolg von bürgerlichen Fußtruppen gegen gepanzerte Reiterei. Offenbar waren Ritterheere doch nicht unbesiegbar, wie auch der weitere Gang der Militärgeschichte beweist. Die flämischen Städte konnten ihre Freiheit weitgehend bewahren. Deshalb gilt der 11. Juli in Flandern heute als Nationalfeiertag.

Ritterschmach – Die "Sporenschlacht" bei Courtrai

Mit diesen flämischen Tuchwebern und Metzgergesellen werde man kurzen Prozess machen, versprach Graf Robert von Artois. Hochgemut zogen seine französischen Ritter am 11. Juli 1302 dem Feind entgegen. Kaum einer von ihnen sollte das Schlachtfeld lebend verlassen. Von Jan von Flocken

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Foto: picture-alliance / akg-images

 

Frankreich wurde seit 1285 von einem höchst zielstrebigen König regiert. Philipp IV., genannt "der Schöne", war jener Monarch, der 1307 den mächtigen Orden der Tempelritter vernichtete und zwei Jahre später den Papst im südfranzösischen Avignon quasi als Geisel festhielt. Doch zunächst richtete sich Philipps außenpolitischer Ehrgeiz auf Flandern.

Flandrische Städte wie Brügge, Gent, Ypern und Kortrijk (Courtrai) verfügten über eine blühende Textilindustrie. Sie entwickelten sich seit dem 13. Jahrhundert zu bedeutenden Handels-, Industrie- und Kulturzentren. Antwerpen wuchs zum größten Seehafen Europas heran. In vielen Städten entstanden mächtige Handwerkerbünde. Vor allem die Weber, Wollscherer und Fleischer zeigten sich selbstbewusst – nicht zuletzt deshalb, weil sie den größten Teil der städtischen Milizen stellten.

Philipp IV. missfiel die Existenz so stolzer Gemeinwesen an Frankreichs Nordgrenze. Um den städtischen Reichtum Flanderns in seine Gewalt zu bekommen, setzte er 1297 ein Heer in Bewegung und ließ Brügge sowie Kortrijk besetzen. Graf Guido von Flandern wurde unter dem Vorwand des Hochverrats eingesperrt, sein Besitz konfisziert und französische Beamte im Land eingesetzt, die als erste Maßnahme fast alle Steuern erhöhten.

 

Der Aufstand der Bürger von Brügge

Gegen diese Fremdherrschaft erhoben sich schließlich die Bürger von Brügge. Am 18. Mai 1302 stürmten sie das Rathaus und erschlugen alle Franzosen, derer sie habhaft werden konnten. König Philipp mußte auf diese "Brügger Morgenfeier" natürlich reagieren und schickte ein großes Heer unter dem Befehl des Grafen Robert von Artois nach Flandern. Es sollte nur eine militärische Strafexpedition werden.

Gegen das französische Ritterheer formierte sich eine Milizarmee unter Führung der Brügger Bürger Jan Breydel und Pieter de Coninck. Ihre Soldaten trugen eine ganz eigentümliche Waffe, "Goedendag" genannt. Es handelte sich um eine lange, schwere Pike mit extrem zugespitztem eisernem Ende sowie einem dicken Metallring, die zerlegbar war und so auch als Streitkeule benutzt werden konnte. Aus einer geschlossnen Phalanx heraus konnten "Goedendags" dem gepanzerten Ritter durchaus gefährlich werden.

Um die von den Flamen belagerte Burg Courtrai zu entsetzen, rückte Artois mit ungefähr 7500 Berittenen und knapp 5000 Mann Söldnerfußvolk, darunter Armbrustschützen aus Genua, Richtung Gent vor. Das flämische Heer zählte zwar fast 20.000 Mann, aber es bestand fast ausschließlich aus Infanterie. Nur ein Dutzend Ritter unter Führung des deutschen Grafen Wilhelm von Jülich stand ihnen im Kampf bei und sollte sich als eiserne Reserve bereithalten.

 

Die Franzosen machen den entscheidenden Fehler

Die Flamen hatten sich hinter dem etwa anderthalb Meter tiefen Gröningen-Bach verschanzt. Vor dessen sumpfigem Ufer hoben sie getarnte Löcher, sogenannte Wolfsgruben, aus. Hinter dem flämischen Heer zog sich der Fluss Lys hin, den man nicht durchwaten konnte. Damit wurde eine Flucht nahezu unmöglich und der Gedanke liegt nahe, dass dies eine psychologische Maßnahme bildete, um die Männer zum äußersten Widerstand zu treiben. Links hinter der Frontlinie lag die französisch besetzte Burg Courtrai. Also postierte man eine Abteilung der Milizen von Ypern vor dem Tor, um zu verhindern, dass die Besatzung während der Schlacht den Flamen in den Rücken fiel.

Am Vormittag des 11. Juli 1302 schickte Robert von Artois seine genuesischen Armbrustschützen vor, die den Feind an beiden Flanken unter Beschuss nahmen. Als die Flamen hier schrittweise zurückwichen, glaubte der Franzose den entscheidenden Augenblick gekommen. Er kommandierte die Armbruster zurück und befahl gleichzeitig der ersten Linie seiner Ritter den Angriff. Dieses ungeschickte Manöver führte dazu, dass in dem morastigen Gelände Reiter und Fußvolk sich gegenseitig behinderten und in die Wolfsgruben fielen.

In diesem Moment gingen die Flamen zum Gegenangriff über. Graf Artois sah seine desorientierten Männer schon dem Untergang geweiht. Um sie zu retten, rückte er mit der Hauptstreitmacht vor – der entscheidende Fehler. Denn als die Ritter den Gröningen-Bach überquerten, wurden sie von beiden Flanken angegriffen.

Die Schlacht kann beginnen

Die mit Schlachtbeilen und "Goedendags" bewaffneten Flamen fielen über die Pferde des Gegners her, töteten sie und erschlugen danach die zu Boden gestürzten Reiter. Es war bei Todesstrafe verboten, Pardon zu geben oder Gefangene zu machen. Bald zog sich das französische Heer in regelloser Flucht nach Süden zurück. Den meisten gelang sie nicht mehr. 700 Ritter, unter ihnen Robert von Artois und zwei Marschälle von Frankreich, fielen im Gefecht.

Am Ende des Schlachttages sammelten die flämischen Sieger ihre Trophäen ein: Mehr als 500 vergoldete Sporen, ein begehrtes Statussymbol jener Zeit. Sie wurden in der Liebfrauenkirche von Courtrai aufgehängt. Diese "Sporenschlacht" verkörperte den ersten spektakulären Erfolg von bürgerlichen Fußtruppen gegen gepanzerte Reiterei. Offenbar waren Ritterheere doch nicht unbesiegbar, wie auch der weitere Gang der Militärgeschichte beweist.

Die flämischen Städte konnten ihre Freiheit weitgehend bewahren. Deshalb gilt der 11. Juli in Flandern heute als Nationalfeiertag.

http://www.welt.de/kultur/history/article1479966/Ritterschmach-Die-Sporenschlacht-bei-Courtrai.html