Digitalisierung des Unterrichts

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Deutscher Schulleiterkongress (DSLK): Schwerpunktthema Digitalisierung des Unterrichts

Der Digitalpakt kommt. Fünf Milliarden Euro wird der Bund in den nächsten Jahren für die Digitalisierung der Schulen in Deutschland bereitstellen. Was bedeutet das für die Lehrkräfte und die Schulleitungen? Worauf müssen sie, aber auch Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern sich einstellen? Unter den vielen renommierten und namhaften Referenten des Deutschen Schulleiterkongresses, der vom 21. bis zum 23. März in Düsseldorf stattfindet, befindet sich jemand, der das Thema aus praktischer Perspektive so gut kennt wie kaum ein zweiter: Martin Fugmann war Leiter der Deutschen Internationalen Schule im Silicon Valley – dem Sitz der Internet-Giganten –, bevor er als Direktor die Leitung des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums im westfälischen Gütersloh übernahm.

Das Thema Digitalisierung ist Schwerpunktthema des Kongresses. „Digital Leadership – So machen Sie Ihr Kollegium fit für digitale Zeiten!“ Unter dieser Überschrift wird Martin Fugmann von seinen Erfahrungen als Leiter der „German International School of Silicon Valley“ (GISSV) berichten (Freitag, 22. März 2019, 14:00 – 15:15 Uhr). Das Silicon Valley in Kalifornien ist Sitz der Hightech-Giganten von Apple bis Google. Das innovative Klima beeinflusst auch die deutsche Schule in der Nachbarschaft: Digitale Medien gehören hier zum Unterrichtsalltag. „85 Prozent der Eltern unserer Schüler arbeiteteten bei Hightech-Unternehmen wie Apple oder Google“, so erinnert sich Fugmann.

Vor bereits knapp zehn Jahren begann die Schule damit, sich zu digitalisieren. Am Anfang stand die Erkenntnis: Es bedarf schulweit übergreifender Lösungen. „Eine fachspezifische Digitalisierung ist nicht die Zukunft“, betont Fugmann. Zweiter Grundgedanke: Alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 verfügen über eigene Endgeräte. Die Schule muss allenfalls für die Jüngeren Tablets bereitstellen  – und ansonsten für Anschlussfähigkeit sorgen. Investitionen sind also vor allem nötig, um die Netz-Infrastruktur zu entwickeln, also zum Beispiel in ein leistungsstarkes WLAN und in ein Smartboard für jeden Klassenraum.

Im ersten Schritt wurde dann die Homepage der GISSV (samt Facebook-Auftritt) aufgerüstet – und zum zentralen „Kristallisationspunkt“, so der ehemalige Leiter, gemacht. Über die Site laufen alle Informationen bis hin zu den aktuellen Hausaufgaben. Schüler und Lehrer treffen sich auf einer Plattform; in einer Cloud stehen Materialien bereit. Und mehr: Das Kollegium hat ein eigenes „Lernmanagementsystem“ entwickelt, das den Lehrkräften erlaubt, das Unterrichtsgeschehen zu steuern – mit unterschiedlichen Aufgabentypologien, die eine Individualisierung möglich machen und auf Kompetenzentwicklung zielen, mit selbst produzierten Videos, mit eingebauten Testelementen, die es Schülern erlauben, ihre Fortschritte selbst zu kontrollieren.  Der Materialbestand in der Cloud wuchs stetig. „Unsere Lehrer waren auch Autoren“, berichtet Martin Fugmann.

Ließen sich nicht auch komplette Unterrichtseinheiten als Videokurse konzipieren, der bei Bedarf immer wieder eingesetzt werden kann – um dann irgendwann doch in einer rein virtuellen Schule zu münden, für deren Besuch die Schülerinnen und Schüler nur noch am heimischen Bildschirm sitzen müssen? Unterricht also nur noch im Cyberspace? „Nein“, antwortet Fugmann, „das war nicht unser Anspruch“.

Sicher, Videokonferenzen  am Nachmittag habe es schon hin und wieder gegeben. Ohne enge persönliche Beziehungen zwischen Lehrkräften und Schülern seien aber Lernprozesse nicht zu steuern. Pädagogik gehe vor Technik – und das werde so bleiben, auch im Silicon Valley. „Unsere Eltern erwarteten schon, dass wir uns digitalen Medien nicht verschließen“, sagt Fugmann. „Aber sie wollten auch immer wissen, was wir damit machen wollen.“ Technikeinsatz um der Technik willen? Käme selbst bei denen, die vom Silicon Valley aus die Welt mit immer neuen Entwicklungen vorantreiben, offenbar nicht gut an. Fugmann: „Wir benötigten unsere Klassenzimmer, und das wird auch so bleiben“, sagt er.

2016 kehrte Martin Fugmann nach Deutschland zurück, um die Leitung des traditionsreichen Evangelisch Stiftischen Gymnasiums Gütersloh zu übernehmen, das jetzt im Netzwerk der Bitcom Smart Schools 2019 aufgenommen wurde.

https://www.news4teachers.de/2019/03/deutscher-schulleiterkongress-dslk-schwerpunktthema-digitalisierung-des-unterrichts-mit-einem-ganz-besonderen-experten/