WOLFGANG NIEBLICH - Ausstellung in der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin

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WOLFGANG  NIEBLICH

Ausstellung in der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin

06. März 2019, 17.30 Uhr

Laudatio: Sibylle Badstübner-Gröger

                                                       

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Wolfgang Nieblich.

Mit dem Begriff WISSENSCHAFT assoziiert jeder auch den Begriff des BUCHES und der BIBLIOTHEK!  Obwohl die digitale Welt, - sicherlich auch hier in dieser Stiftung -, im Vormarsch ist und Bücher, wissenschaftliche Aufsätze, Rezensionen, Fachzeitungen und-journale, also Texte im Allgemeinen, im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, ist das Buch keineswegs überflüssig geworden, wie man immer wieder befürchtet hat. 

Das Buch ist NICHT tot, auch wenn der Künstler Wolfgang Nieblich in seinen Assemblagen, seinen Montagen und Collagen  überflüssig gewordene , dem Verfall  preisgegebene Bucheinbände, Reststücke von Buchrücken, Vorsatzblätter, Karteikarten, Signaturen, alte bedruckte Papiere vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, die in Büchern aufgefundenen Lesezeichen, Bibliotheksausweise, sozusagen die „Abfälle“ aus Bibliotheken  verwendet, so gelingt es ihm, sie zu neuer künstlerischer Gestaltung zu bringen.  

Das tote Abfallmaterial und die Buchreste werden durch Nieblich zu neuem Leben gebracht.

Es gelingt ihm, in seinen phantasievoll zusammengefügten, oft durch Malerei ergänzten Kompositionen, das Buch neu sichtbar und erfahrbar zu machen, das überflüssig Gewordene „Abfallprodukt“ künstlerisch zu erhöhen. Mit seinen Arbeiten lenkt Nieblich den Focus wieder auf die Bedeutung des Buches und der Bibliothek.

Diese Buchreste stammen meist aus der Berliner Staatsbibliothek, der Amerika-Gedenkbibliothek, der UB Weimar und dem Leipziger Deutschen Buch- und Schriftmuseum, da sie bei Neueinbänden alter Bücher die Buchdeckel entsorgen, Wolfgang Nieblich informieren und ihm zum Recyceln anbieten.

Im Laufe der Jahre hat er nicht nur eine umfangreiche Materialsammlung angehäuft, sondern diese auch zu originellen und kreativen Kunstwerken verarbeitet, wie wir hier heute sehen können.

Zu seinen Sammlungen gehören aber auch Bleilettern, Ahle, Pinzetten, sozusagen das Handwerkszeug zur Buchherstellung.

Der 1948 in Reutlingen geborene Künstler, studierte Malerei und Grafik bis 1974 in Berlin, über 500 Ausstellungen haben ihn bekannt gemacht, ebenso seine seit 2011 angetretene Herausgeberschaft der „modernen“ Einblattdrucke bei PalmArtPress.

Sessions: 
Wednesday, 6. March 2019 - 17:30 to 20:00